Von Cairns über Alice Springs nach Darwin und jetzt in Broome (4. bis 27. Juni 2010)

Hallo ihr Lieben,

eigentlich sollte ja Cairns unsere letzte Station mit Manfred sein. Er sollte dort verkauft werden und wir wollten weiter mit Bus und Flugzeug. Eine wichtige Lektion auf unserer Reise ist, dass sich Pläne fast immer ändern. Und so wurde aus der Manfredverkaufsaktion schließlich eine Weiterreise von nochmals 2500km bis nach Darwin. Was dabei auf unserem Weg lag, habt ihr ja schon in unserem letzten Mini-Blogartikel gesehen. Das Wahrzeichen des Outbacks, der Ayers Rock oder Uluru, wie er in Australien genannt wird. Eigentlich lag der große rote Stein in der Wüste nicht wirklich auf dem Weg. Um dorthin zu gelangen machten wir einen Umweg in den Süden von weiteren 3000km. Ein Klacks sagt ihr, eine Entfernung von Berlin bis nach Jerusalem sagen wir!
Wir wurden schon über unser Vorhaben belächelt, Cairns zu erreichen. Als wir uns darüber klar wurden, dass der Automarkt in Cairns einfach zu überlaufen ist, wir Manfred nicht losbekommen und also über die Wüste weiter zur nächsten Großstadt Darwin fahren würden, fielen Sätze wie „Ihr seid aber ganz schön mutig“ oder „Haa-haa!“.

Die letzten Tage in Cairns verbrachten wir im Wasser. Wir fuhren zu einem nahegelegenen Kaskaden-Wasserfall und machten es uns im natürlichen Pool gemütlich. Über die Temperatur des Wassers sollen hier keine weiteren Worte verloren werden.

Baden am Wasserfall... herlich kalt.

Einen Tag später wagten wir uns in die Tiefen des Ozeans vor – ans Outer Great Barrier Reef. Das Schnorcheln hatten wir ja schon hinter uns, also musste was Aufregenderes her: SCUBA-Diving oder einfach: Tauchen. Die zweistündige Fahrt raus aufs Meer war wild. Einige abgebrühte Begleiter lasen gemütlich ihren Tolstoj weiter, die anderen griffen lieber zur Tüte. Uns erging es zum Glück nicht schlimm. Ein starrer Blick auf die Weiten des Meeres ist schon eine großartige Ablenkung und wir überstanden den Ritt unbeschadet. Am Ziel angekommen, zwängten wir uns zunächst in die uns schon vertrauten, modisch hochmodernen Taucheranzüge. Danach bekamen wir gefühlte 30kg Ausrüstung an den Körper geschnallt: Flossen, Brille, Gewichtgürtel und Sauerstoffflaschen. Am Rande des Bootes sagte unser Lehrer: „Jetzt steht auf, Blick zum Horizont und macht einen großen Schritt nach vorne. Wer will als erstes?“ Wir schauten uns gegenseitig an. Wir schauten das kleine japanische Pärchen neben uns an. Jeder fummelte nervös mit seinem Schnorchel und schaute ganz angestrengt woanders hin. Der Lehrer kannte das schon und wählte den Japaner aus. Aufstehen und einen Meter vorwärts laufen war schon eine Herausforderung, doch wir landeten schließlich alle im Wasser. Es gab ein paar einführende Worte und dann gings ab in die Tiefen des Meeres. Ein atemberaubendes Gefühl. Die Stille, die Fische, die Korallen, 12m Wasser über uns – so hatten wir den Ozean noch nicht gesehen. Doch erst beim nachträglichen Schnorcheln kamen wir auf Tuchfühlung mit einer Schildkröte und einem Hai. Was für ein Tag!

Doch nach fast 10 Tagen in Cairns fiel uns schon die Decke auf den Kopf. Wir halten es nicht mehr lange an einem Ort aus. Der Travel-Bug (übersetzt: der Weiterreisekäfer) hat uns fest in seinem Griff. Bewegung muss her! Also auf die Straße. Wir wagten also den Ritt von Cairns bis zum Uluru. Auf so einer langen Strecke kann es schon mal vorkommen, dass man tagelang keinen Handyempfang hat und das Tagesvorhaben darin besteht, die nächste Raststätte zu erreichen. Das war die Wüste, das war das Outback. So wie man sich Australien immer vorgestellt hat. Wir waren begeistert. Fünf Tage brauchten wir für die knapp 3000km und in diesen fünf Tagen sahen wir nicht viel mehr als Wüste, Steppe, Grasland, Buschland, Bäume, Steine und natürlich endlos lange Straßen. Wir konnten uns nicht satt sehen an diesem für deutsche Verhältnisse so ungewöhnlichen Anblick.

Outbackstraße bei Tag...

...und mit Sonnenuntergang.

Und so zeigte sich auch der richtige Winter Australiens. In Cairns zitterten die Bewohner schon bei 25 Grad mit der Unterlippe. „Recht kühl heute, was?“ war der Kommentar eines Aussies. Selbst im Winter sinkt die Temperatur im Norden meist nicht unter 30 Grad. In der Wüste hingegen mussten wir unsere langen Schlafhosen wieder rausholen, die uns in Stanthorpe schon so gute Dienste geleistet hatten. Vergesst all die Märchen, dass man Down Under nur viel Sonnencreme und sonst nichts braucht. Nicht zur Winterszeit im Juni. Packt eure Pudelmützen ein, es geht nach Australien.

Wenn ein ganzer Ort auf ein Photo passt, dann weiß man - hier bin ich im Outback.

Auch typisch fürs Outback: manche Orte werben mit skurrilen Themen, wie hier Wycleff Well und seinem UFO-Center.

Frost am Manfred...in Australien. Sowas aber auch.

In der Großstadt des Outbacks, Alice Springs, macht wir nur einen kurzen Stopp. Wir hatten uns schon so an das „Leben auf der Straße“ gewöhnt, dass wir mit einer Stadt nicht viel anfangen konnten. Am nächsten Tag ging es also weiter zum Uluru. Wir kamen auch pünktlich zum Sonnenuntergang an, doch der riesige Felsen blieb wegen der vielen Wolken an diesem Abend leider farblos.

Kein Problem, dann stehen wir eben früh auf. Gesagt, getan. Am nächsten Morgen standen wir vor Sonnenaufgang auf und machten uns mit hundert anderen Touristen auf den Weg. Im Nationalpark startete ein schieres Wettrennen um die besten Plätze, Manfred blieb in seinem morgendlichen Tempo. Die Sonne rennt schließlich nicht weg. Und der Stein schon gar nicht. Auf der Beobachtungsplattform angekommen, war noch überall sehr viel Platz, obwohl schon so einige Menschenscharen aus ihren klimatisierten Bussen gescheucht worden sind. Nicht ohne eine Tasse Kaffee versteht sich. Es hatte gefühlte 5 Grad und so zitterten wir uns bis zum Sonnenaufgang. Der Himmel war wolkenlos und alle hielten die Kamera im Anschlag, bereit, den Berg tot zu knipsen. Und dann – die Resignation. Zwei Ecken funkelten rot, der Rest des Ulurus blieb aufgrund seiner Beschaffenheit im Dunkeln. Das soll es jetzt gewesen sein? Wir waren etwas enttäuscht. Das klang in den Reiseführern immer etwas spektakulärer. Steckte da eine riesige Touristenfalle dahinter und wurden alle Besucher am Ende bestochen, damit sie Zuhause von ihren Erlebnissen im Uluru Nationalpark schwärmten? Wir ließen uns den Mut nicht nehmen und starteten unser Wanderprogramm für diesen Tag.

Wie wir feststellen mussten, ist der Uluru schon lange kein Geheimtip mehr.

Wir zwängten uns in unsere noch in Deutschland gekauften Wanderschuhe, die während der Monate im Manfred geschrumpft zu sein schienen. Macht nichts, geht schon! Wir bezwangen den 10km-langen Wanderweg rund um den Uluru in drei Stunden und mit blasigen Füßen. Die Schuhe wurden sofort zurück ins Auto verbannt und seitdem nicht mehr angerührt. Der Weg hinauf auf den Uluru war wegen zu starker Winde geschlossen, doch hätten wir den Stein sowieso nicht beklettern wollen. Die Aboriginies, die den Uluru verehren, fühlen sich für jedes Leben in dessen Umgebung verantwortlich. Sollten sich Menschen bei der Besteigung verletzen oder gar sterben, verfällt der gesamte Stamm in Trauer. Zudem ist der Berg heilig und jeder wird gebeten, nicht hinaufzusteigen.

Die Sonne mag den Eindruck erwecken, es wäre warm. IST ES ABER NICHT!

Nach einem Schuhwechsel ging es weiter nach Kata Tjuta. Diese Felsformationen stehen auf dem Bekanntheitsgrad im Schatten des Uluru, doch sind sie nicht weniger spektakulär. Hier wanderten wir weitere 5km durch Schluchten und an meterhohen Felswänden entlang. Am Ende des Tages gaben wir diesem Sonnenspektakel noch eine Chance. Der Himmel war noch immer wolkenlos und so machten wir es uns mit unseren Campingstühlen und einer schönen Fertigsuppe vor dem Stein bequem. Unsere Erwartungen waren noch immer hoch, wollten wir unser eigenen Verschwörungstheorie doch noch nicht viel Glauben schenken. Und dann war es endlich soweit: Die Sonne ging unter und ließ diesen Fels mitten im Nirgendwo in allen mögliche Rottönen erstrahlen. Einfach magisch und wunderschön!

Nicht weniger beeindruckend: Kata Tjuta

Wir am Uluru 🙂

Die 15km vom Vortag konnten uns nichts anhaben. Am nächsten Tag ging es also gleich weiter zum Kings Canyon. Hier wanderten wir weitere 6km. Erst steile Felstreppen hinauf und dann einmal um die Schlucht herum. Wir wurden mit fantastischen Ausblicken und furchtbar schmerzenden Oberschenkeln belohnt.

Der kleine Mann am Abgrund ist uns doch bekannt.

Die Wüste wurde uns allmählich zu kalt. Auf in den tropischen Norden! Die Temperaturunterschiede waren gewaltig. Hatten wir in Alice Springs in der Nacht schon Frost am Autofenster, sehnten wir uns in Katherine stetig nach einer Dusche und einem Eiskaffee.

Endlich kann man wieder im T-Shirt und mit offenen Haaren rumlaufen.

Zwischen Katherine und Darwin lag noch einer der Tourie Hot Spots schlechthin: der Kakadu Nationalpark. Was hatten wir nicht alles von diesem Park gehört. Es solle angeblich der schönste in Australien sein. Ein absolutes Muss für jeden Reisenden. Wir fahren also hin. Am Eingang begrüßt uns eine leicht deplatziert scheinende Gestalt. „Oh, und was kann ich für euch tun?“, fragt ein verwirrt wirkender Herr in bester Kiffermanier. „Ach, ihr wollt in den Park?“, rät er drauf los. Der Mann ist vom Fach, das merken wir gleich. Er kassiert also und wirft einen Blick nach draußen. „Ist DAS euer Auto?….höhöhö“. Er sagte, damit kämen wir aber nicht auf die nur für Allradantrieb geeigneten Straßen, aber die wären sowieso geschlossen. Gut zu wissen. Bloß raus hier. Es gab schließlich noch genug andere Plätze, die wir mit Manfred erkunden konnten. Dachten wir. Wir waren ja in der Trockenzeit hier, wo nix mehr überschwemmt sein kann. Dachten wir. Fakt war, es war noch nicht ganz Trockenzeit und so waren jegliche Plätze, die auch nur irgendwie interessant waren, auch noch nicht ganz wieder trocken und damit gesperrt. Meistens sahen wir also statt einmaliger Natur und wilden Tieren nur diese Warnschilder:

Von diesen Schildern sahen wir etwa 20 im Kakadupark...so ein Mist 😦

Alles in allem waren wir von diesem Park doch ziemlich enttäuscht. Und dafür wird auch noch Eintritt verlangt. Das Wort Tourismusabzockerpark ging uns durch den Kopf und so waren wir eigentlich froh wieder weiterfahren zu können. Wir erreichten unser Zwischenziel: Darwin. Hier blieben wir drei Tage, was uns eigentlich schon zu lange war, aber ein alter Freund aus Albany (lang ists her) musste getroffen werden und ein WM-Spiel (Nordkorea gegen Portugal) im Pub musste auch mal sein.

Langsam werden wir auch etwas „australienmüde“. Keine Frage, von den schönen Landschaften und der Weite des Kontinents geht immer noch eine Faszination aus, aber die Städte hier ähneln sich immer mehr: Woolworths mit einem Kreisverkehr dran, plus McDonalds.

Doch das letzte Stück wollen wir mit Manfred noch schaffen bis zurück nach Perth, wo alles vor etwa 9 Monaten anfing. Wie schnell die Zeit vergeht. Und allzu langweilig ist es noch nicht, dafür sorgen kleine Zwischenfälle, als uns z.B. kurz vor der Grenze zwischen dem Northern Territory und Westaustralien das Bett zusammenkrachte… Schon seit einigen Wochen ist unser Bett etwas verzogen (Spanholzplatte sei Dank 😦 ) und nun hat es der Mittelpfeiler doch endlich geschafft das Bett zu durchlöchern.

Die Laune war zerknirscht. Ok, also erstmal den nächsten größeren Ort erreichen. Auf dem Weg dahin das nächste Ding: Ein Roadtrain (das ist ein 53 Meter langer LKW) hat es doch endlich nach über 15 000 km geschafft, beim Vorbeifahren Geröll gegen unsere Windschutzscheibe zu schleudern und einen riesigen Steinschlag zu hinterlassen, bei dem selbst Carglass kommentarlos auf dem Absatz wieder Kehrt machen würde. Das Gebrüll von Marcus war bestimmt bis Berlin zu hören.

Ok, erstmal sortieren. Wir mussten erstmal einen Baumarkt suchen, den wir auch in Kununurra fanden. Schnurrstracks ein neues (und diesmal stabileres) Bettchen zusammengebastelt und ab zum nächsten Ratsplatz Nudeln kochen und ein Bierchen auf diesen Pechtag geschlürft. Bloß diesen Tag hinter uns bringen.

Weiter ging es nach Broome, auf dem Weg wieder schöne Landschaften (die Kimberleys) und Howard Carpendale im Player (Anne kann schon fast den Text von Ti Armo auswendig). In Broome wieder die Eintönigkeit der australischen Städte festgestellt, dafür gibt es das älteste Freiluftkino der Welt mitsamt Fledermäusen, die vor, und Flugzeugen, die knapp über die Leinwand flogen. Vom Film Toy Story 3 können wir nur abraten, wer auf keinen Fall lachen will.

Heute, Sonntag, erwarten wir noch ein weiteres Mondspektakel (gestern gab es hier bereits eine partielle Mondfinsternis), das sogenannten Staircase to the Moon. Davon berichten wir dann nächstes Mal mit Bildmaterial. Achja und natürlich lassen wir uns das WM-Spiel gegen England nicht entgehen 🙂

Also bis denne

Anne & Marcus

Strand, Palmen und ein schöner Sonnenuntergang lassen die schlechte Laune verfliegen.

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